Elvis in Germany 1958
Chronik von Elvis Presleys Aufenthaltszeit
in Deutschland von 1. Oktober 1958 bis 2 März 1960
Elvis in Deutschland 1958, Elvis in Deutschland 1959, Elvis in Deutschland 1960,

Mittwoch
1. Oktober
1958, Der erste Tag
Mittwoch 1. Oktober - Der Truppentransporter "USS General Randall" legt um 8.46 Uhr an der Columbus-Kaje in in Bremerhaven an. Elvis ist einer von 1170 Soldaten an Bord

Als Elvis am 1. Oktober 1958 in Bremerhaven von Bord ging, wurde er von hunderten jubelnder Fans und demselben Medienzirkus wie in Brooklyn begrüßt.

Die Militärpolizei hatte wegen der zahlreichen Schaulustigen die gesamte Gegend abgesperrt und die Bahnlinien blockiert. Die Presseberichte von Mädchen, die über Stacheldrahtzäune klettern und die Militärpolizeiabsperrungen niederrissen, sind maßlos übertrieben. Der Zugang zum Kai in Bremerhaven war nicht sonderlich schwierig, und die Krawalle, die sich laut einiger Zeitungen ereignet hatten, existierten nur in der Phantasie der Reporter, die verzweifelt auf der Suche nach Schlagzeilen waren. Die deutschen Teenager waren viel ruhiger als die amerikanischen. Das "Elvis-Phänomen" existierte in Deutschland nicht im gleichen Umfang wie in Amerika.

Die Ankunft von Elvis Presley verursachte auf jeden Fall große Aufregung, die sogar jene erfasste, die gar keine richtigen Elvis-Fans waren und nur gekommen waren, um zu sehen, was passieren würde.

Kameramänner der Wochenschau und unzählige Pressephotographen ermutigten die etwas abenteuerlustigeren Fans zu waghalsigen Taten. Der sechzehnjähnge "Karl-Heinz", der gestand, noch nie eine Elvis-Platte gekauft zu haben, wurde dazu überredet, auf die Gangway zu klettern, um mit Elvis photographiert zu werden, während er ihn um ein Autogramm bat.


Unbeholfen schulterte Elvis seinen Seesack und versuchte, mit seiner freien Hand zu unterschreiben. Es misslang, und Elvis verlor fast das Gleichgewicht. Er schüttelte daraufhin den Kopf und ging schnell weiter. Um den Truppenzug zu erreichen, mussten Elvis und die anderen GIs durcheinen geräumten und bewachten Durchgang marschieren. Eine junge Frau, bewaffnet mit verzweifelter Entschlossenheit und einem Nelkenstrauß, musste von einem Offizier aufgehalten werden. "Keine Blumen für Presley!" rief dieser. "Soldaten tragen keine Blumen." Die junge Frau war Eva Windmöller, eine Reporterin, die von RCA-Deutschland die Erlaubnis für ein Interview bei Elvis' Ankunft bekommen hatte. Die Plattengesellschaft hatte ihr den Strauß gegeben, um ihn an Elvis weiterzuleiten. Sie schaffte es schließlich doch noch, Elvis die Blumen in die Hand zu drücken, als er in den Zug einstieg. Belustigt sah sie dann, wie Elvis den Blumenstrauß, Blüte für Blüte, durch das Fenster in die Menge warf. Als der Zug um 10.22 Uhr die Docks verließ, konnte man in großen, weißen Buchstaben die Aufschrift "Welkome to Germany, Elvis Presley" auf der Seite eines Waggons lesen.



So geschmückt raste der Zug Elvis' neuer Heimat, der Friedberg-Kaserne, entgegen. Die Kaserne ist besser bekannt als die Ray Barracks, das Zuhause des 32. Batallions der 3. amerikanischen Panzerdivision. Sie liegt in den Hügeln um Friedberg (Einwohnerzahl 18.000), ungefähr 350 km von Bremerhaven und etwa 30 km von Frankfurt entfernt. Der Zug kam gegen 19.30 Uhr an und brachte Elvis und seine Kameraden direkt in die Basis.

Elvis steigt am 1. Oktober 1958 auf dem Bahnhof in Friedberg aus dem Zug. Fans hatten die Ankunft des Sängers in der Wetterau sehnsüchtig erwartet.

Elvis wird von begeisterten weiblichen Fans begrüßt wird.
Viele Geschäfte in dem malerischen alten Friedberg waren bereits mit Postern und anderen Elvis-Souvenirs gefüllt. Man erwartete einen Ansturm von tausenden hysterischer Fans. Obwohl sich eine Menge Elvis-Fans vor den Toren der Kaserne versammelt hatten, und viele von ihnen während seines gesamten Aufenthaltes dort Immer wieder erscheinen würden, sind jedoch Geschichten über schreiende Mädchen, die die Sicherheitszäune der Basis überwanden, völlig falsch. Aufgrund der Einladung durch die Armee war natürlich die Presse anwesend.


Die Ray Barracks bestanden fast ausschließlich aus langen Reihen kahler Ziegelhäuser, die einst von Hitlers SS-Truppen benutzt wurden. In den Kasernengebäuden fand man Schlafsäle mit Stahlrohrbetten auf Linoleumböden, Latrinen, eine Unteroffizierskantine und den PX-Laden, und das war schon alles an zivilisierten Annehmlichkeiten. Die Ray Barracks waren durch hohe Zäune und bewachte Tore geschützt. Sobald Elvis sich sicher in den "schützenden Armen" der Armee befand, wurde er offiziell in die Kompanie D des 1. mittleren Panzerbatallions der 3. Panzerdivision (Motto des Batallions: "Sieg oder Tod") aufgenommen.


Nachdem er seine Feldausrüstung mit Stahlheim, Wasserflasche und Stiefeln in Größe 42 von Sergeant William Patson bekommen hatte, marschierte Elvis zu Bett 13 in der Baracke 3707, Erdgeschoss links, wo bereits ein großer Sack mit Fanpost auf ihn wartete.

Während der ganzen Zeit war er von Reportern und Fotografen umzingelt. Elvis wurde sogar fotografiert, als er vergeblich versuchte, sich auf seinem Feldbett auszuruhen
Donnerstag 2. Oktober 1958, Erste Pressekonferenz in Deutschland.
Am Donnerstag, dem 2. Oktober, hielt der "gewöhnliche Soldat" um 10 Uhr morgen eine ungeheure Pressekonferenz der Kantine ab. Dutzende von Journalisten waren mit ihren eigenen "Kampfausrüstungen" bewaffnet, bestehend aus Tonbandgeräten, Filmkameras und Notizblöcken. Ein Reporter bemerkte: "Die Konferenz war nur eine Spur kleiner als Präsident Eisenhower sie erwartet hätte."
Die Ray Barracks waren gewissenhaft durch Reinigungskräfte und Anstreicher auf die Presse vorbereitet worden. Man gab sogar den Fensterrahmen einen neuen Anstrich, und als Elvis sich vor der Pressekonferenz gegen ein Fenster lehnte, war ein Ärmel seiner neuen Ausgehuniform mit Farbe beschmiert. Jemand rannte sofort los, um eine Flasche Fleckentferner zu besorgen und die Farbmale wurden erfolgreich beseitigt. Doch der beißende Geruch des Fleckentferners blieb. Elvis sagte, dass er wie jemand riechen würde, der gerade eine Flasche billigen Whiskeys getrunken hätte. Er weigerte sich, so zur Pressekonferenz zu gehen und bekam eine neue Jacke.
Donnerstag
2. Oktober - Vorsicht - Frisch Gestrichen! Prompt gerät Elvis an eine einen
soeben gestrichenen Fensterrahmen. Bevor er in die nachfolgende Pressekonferenz
ging, musste eine neue Jacke her.
Charmant wie immer führte Elvis die Pressekonferenz. Elvis war 10 Pfund leichter als vor der Grundausbildung und sah "phantastisch" aus. Er wirkte merkwürdig zerstreut und oft ein wenig verwirrt hinter den drei Mikrophonen, doch er beantwortete alle Fragen mit Anstand und listigem Humor. "Klassische Musik ist prima, um dabei einzuschlafen", sagte Elvis und bot somit ein gepfeffertes Zitat für seine zahlreichen Fans. Doch plötzlich, als ob ihm bewusst geworden war, dass auch ältere Leute ihm Aufmerksamkeit schenkten, grinste er, schüttelte den Kopf. und fuhr bescheidener fort: "Um ehrlich zu sein, ich bin kein Musikexperte. Ich möchte nicht hier sitzen und Opern und klassische Musik schlecht machen, nur weil ich sie nicht verstehe. Ich liebe Stimmungsmusik und irische Tenöre," fügte er hinzu. auf die Frage, ob er irgendwelchen Ärger oder Hänselein durch seine Kameraden erfahren hätte, betonte Elvis, dass dem nicht so wäre. er würde genauso wie jeder andere GI behandelt und bemerkte, das sie sehr schnell herausgefunden haben, dass ich wie sie bin!



Er mischte sich auch unter die Journalisten, bevor er ein Telegramm erhielt, dass die Ankunft seines Vaters, seiner Großmutter und seiner Freunde ankündigte.

Elvis nach einer Pressekonferenz von Journalisten umringt.
Oktober 1958
Elvis Presley beim Antritt zum Wehrdienst, Friedberg, 1958

Samstag 4. Oktober 1958
Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, sowie die Leibwächter Red West und Lamar Fike treffen ein und werden für zwei Tage in "Ritter's Park Hotel" in Bad Homburg einquartiert. Elvis zahlt für l Suite und 2 Einzelzimmer insgesamt 962,36 DM. Der junge Homburger "Ted Herold", der erst kürzlich den Elvis-Titel "Wear My Ring Around Your Neck" auf Deutsch als "Ich brauch keinen Ring" aufgenommen hat, trifft Elvis in der Eisdiele "Pelegrinis"' und zeigt ihm später gegen 21.15 Uhr im Schaufenster des Plattenladens "Grützner" seine erste Platte zusammen mit dem Zeitungsartikel "Unser Ted singt so gut wie Elvis".
Sonntag 5. Oktober 1958
Berufsfotograf "Robert Lebeck" erhält den Auftrag Elvis mit Fans während eines Spaziergangs im kleinen Homburger Kurpark zu fotografieren.

Lebeck nimmt seine Hausmitbewohnerin aus Frankfurt, die 16-jährige "Margit Bürgin" mit und stellt sie Elvis, der sie während des Fototermins insgesamt 16 mal zärtlich auf die Wange küsst, so geschickt an die Seite, dass dessen Interesse an der Blondine geweckt wird.
Sie wird zur ersten deutschen Elvis-Freundin hochstilisiert, bis sich Elvis im , , Januar 1959 von ihr zurückzieht, weil ihm Margits eigennütziger Umgang mit der Presse missfällt.
Montag 6. Oktober 1958
Die Presley Familie mit Leibwächtern ziehen nach Bad
Nauheim ins "Park Hotel" in der Kurstraße
2-4 um und bezieht 2 Suiten und 1 Einzelzimmer - allerdings nur bis zum 11. des
Monats, denn dann ist die Ankunft des Königs "Ibn Saud" angesagt der Bad
Nauheim seit Jahren zu seiner Lieblingskurstadt erkoren hat und das Hotel
dann immer vollständig bucht.
Rock ´n´Roll König Elvis muss weichen und ist darüber leicht irritiert.
Das
Hilberts Parkhotel
1958
Elvis auf dem Bett seines Zimmers im Parkhotel im Oktober 1958

Das
Parkhotel Anfang der 70er Jahre
Dienstag 7. Oktober 1958
Eine Woche nach seiner Stationierung in den Ray Barracks Friedberg tauchte Elvis zum ersten Mal im Barber Shop auf, um sich von Karl-Heinz Stein die Haare schneiden zu lassen.

Freitag 11. Oktober 1958
Elvis zahlt 1040 DM für den Aufenthalt in "Hilberts Park Hotel" und zieht nach nur fünf Tagen um ins "Hotel Grunewald" in der Nähe des Staatlichen Kurhauses.
Hotel
Grunewald in Bad Nauheim, Domizil des Presley-Clans vom 11. Oktober 1958
bis zum 3. Februar 1959. Elvis bezieht das Zimmer mit der Nummer 10. Das Zimmer
11 bewohnte seine Sekretärin Elisabeth Stefaniak, Zimmer 12 bewohnte Lamar Fike,
Zimmer 14 bewohnte Red West, Zimmer 15 bewohnte Minnie Mae Presley (ELVIS Oma)
mit E-Anschluß für Kochecke und Zimmer 17 bewohnte ELVIS Vater.
"Elvis Stele" (Gedenkstätte) warum vor dem Hotel
Grunewald??? - Die Geschichte dazu könnt Ihr hier
nachlesen

Flyer Hotel Grunewald
Hotel Grunewald
Ende der 60er Jahre
Samstag 12. Oktober 1958
Elvis schreibt einen Brief an das Jugendmagazin "BRAVO", in dem er gegen die Rabauken in den "Bill Haley"-Konzerten in Berlin und Hamburg zu Felde zieht. Er fordert die mehrheitlichen friedlichen Jugendlichen auf, die Krawallmacher kaltzustellen, denn sonst könnten Veranstalter in Zukunft vielleicht aus Angst vor Schaden Rock'n Roll-Konzerte absagen, was die Teenager um ein großes Vergnügen bringen würde.
Die Bravo Nr. 41 von 1958 erscheint. Bravo für die Woche vom 12.10.1958 - 18.10.1958. In der Bravo befinden sich Berichte über Elvis Abschied in Amerika.

An Bord des Truppentransporters "US General Randall" fuhren nicht nur Soldaten nach Deutschland. Auch Soldatenfrauen und Soldatenkinder hatten sich eingeschifft. Die sorgten dafür, dass Elvis auch unterwegs beschäftigt war: mit Autogramme schreiben.




Samstag 19. Oktober 1958
Die Bravo Nr. 42 von 1958 erscheint. Bravo für die Woche vom 19.10.1958 - 25.10.1958. In der Bravo befinden Berichte über Elvis Ankunft in Bremen.

15 Minuten nachdem das Schiff angekommen war, verließ der Eisenbahnzug Bremerhaven.



Donnerstag 23. Oktober 1958
Arnulf Stenger, Chef der Rhein-Main-Hallen, lädt Elvis zum Bill Haley-Konzert nach Wiesbaden ein.

In der Garderobe der Reihn-Main-Halle in Wiesbaden. V.l.n.r.: Tourmanager Davies, Orchesterleiter Kurt Edelhagen, Elvis, Comets-Gitarriest Franny Beecher, Bill Haley, Comets Saxophonist Rudy Pompilli (Brille), Mr. Ferguson, Hr. Hoffmeister und ganz rechts Pianist Bill Williamson von den Comets.

Elvis hält sich aus verständlichen Gründen nur in der Künstlergarderobe auf. Er tauscht mit Kurt Edelhagen, dem Orchesterleiter des Vorprogramms, eine signierte Schellackplatte aus und unterschreibt zusammen mit Bill die 78er "Rock A-Beatin' Boogie".
Freitag 24. Oktober 1958
Bevor Elvis nach Frankfurt aufbricht, erhält er noch einen 30-minütigen Kurzbesuch des schwedischen Rock'n'Rollers Little Gerhard (bürgerlich: Gerhard Lunquist).

Auch Bill Haleys Frankfurter Konzert verfolgt Elvis von Backstage aus. Das Foto mit Bill aus der Garderobe wird 1961 auf dem ukrainischen Uranialabel als früheste "Elvis-Picture-Disc" veröffentlicht.

Am 24 Oktober fuhr Elvis zu einem Konzert nach Frankfurt. Es handelte sich um einen Auftritt von Bill Haley und den Comets, der ersten weißen Rock´n Roll Band und der einzigen ernsthaften Konkurrenz für Elvis zu der Zeit. Das Foto zeigt Elvis und Bill Haley in der Garderobe.
Sonntag 26. Oktober 1958
Die Bravo Nr. 43 von 1958 Elvis Presley (mit Stahlhelm!) erscheint. Bravo für die Woche vom 26.10.1958 - 01.11.1958. In der Bravo befinden Berichte über Elvis Ankunft in Friedberg (Kaserne).

So mancher würde Elvis gerne tragen helfen. Aber der Kommiss bleibt Kommiss. Man muss seine Sachen selber schleppen. Beim Barras wird einem das Leben schon im Frieden schwer gemacht.




Dienstag 28. Oktober 1958
In seinem ersten Brief an Freundin "Anita Wood" beschreibt sich der von Heimweh gequälte Elvis als einen kleinen Jungen, 5000 Meilen von ihr entfernt, und als jemand, der niemand anderen als sie je in seinem leben lieben werde und der sich auf ihre Hochzeit freue und einen kleinen Elvis .
Mittwoch 29. Oktober 1958
Aller guten Dinge sind drei: Auch das Bill Haley-Konzert im Mannheimer "UfA-Filmpalast" besucht Elvis, diesmal aber in Zivil, und lässt sich mit Bills Begleitband "The Comets" im Bühnengang fotografieren.
Donnerstag 30. Oktober 1958
Der Pudel Cherry hält Einzug im Hotel Grunewald. Elvis hat ihn für sich gekauft, später an den Hotelbesitzer verschenkt.
Ab sofort steht Elvis Bett in "Block 3707" der Ray Barracks leer, denn er darf nun außerhalb der Kaserne privat wohnen, nicht weil er als Star Sonderrechte genießt, sondern weil es ein Gesetz gibt, das US-Armeeangehörigen dies erlaubt, wenn sie Verwandte bei sich haben, die für sie sorgen können.
Sonntag 2. November1958
Elvis gibt im Hotel Grunewald eine kleine Abschiedsparty vor seinem ersten Manöver. Auch "Margit Bürgin" ist gekommen, die zum ersten Mal den Sänger Elvis mit Gitarre live erlebt.
Die Bravo Nr. 44 von 1958 erscheint. Bravo für die Woche vom 2.11.1958 - 8.11.1958. In der Bravo befinden Berichte über die ersten Tage in Deutschland.

Den US-Paß gibt der Rock´n Roll-König nicht ab, aber er sagte: "In Germany werde ich mich sicher zu Hause fühlen!"
Montag 3. November 1958 - Samstag 20. Dezember 1958
Mehrere Einheiten der D-Kompanie aus den Ray Barracks ziehen ins Manöver nach Grafenwöhr. Nachfolgend einige Bilder von diesem Manöver











Bei diesem Manöver lernt Elvis auch während eines Kinobesuchs "Elisabeth Stefaniak" kennen. Er engagiert sie vom Fleck weg als Sekretärin. Sie tritt ihren Posten am 2 Januar 1959 an.
Dienstag 4. November1958
Das Filmjournal Nr. 22 von 1958 erscheint. In dem Filmjournal befindet sich der Bericht "Wenn Elvis ins Manöver zieht" .
Werbeplakat
für das Filmjournal
Hallo, morning! Was für ein Hundewetter habt ihr denn
heute bestellt?" - Elvis steigt aus dem Taxi, das ihn jeden Morgen von Bad
Nauheim zur Kaserne bringt, und begrüßt seine beiden Kameraden, die den
Eingang der Friedberger Kaserne bewachen. Es ist 7.30 Uhr und ein trüber,
regnerischer Mittwoch Es stürmt ganz ordentlich. Sonst stehen die beiden
Wachposten draußen, heute aber, bei Regen und Wind, haben sie sich in ihr
Schilderhäuschen zurückgezogen. Elvis geht zu ihnen und wärmt sich an dem
kleinen Ofen auf, doch nur einen kurzen Augenblick, dann geht´s hinein in die
Kaserne. Es war gerade noch rechtzeitig, denn schon bald fährt ein Wagen nach
dem anderen aus dem Tor. Es geht ins Manöver. Elvis ist zum ersten Mal auch
dabei. Er braust mit seinem offenen Jeep nach Norden ab. Etwa 30 Kilometer von
Friedberg entfernt wird drei Tage lang exerziert.

In dieser verdammten Army gibt es tausend Kompanien und ausgerechnet in meine müssen Sie kommen! sagte spieß Hackney zu seinem Rekruten Elvis Presley - und dann lachten sie beide herzlich.

Nicht nur Elvis fand diese kleine Frankfurterin riesig nett. Auch sein Vater schmunzelte im Hintergrund übers ganze Gesicht. Er hat sehr viel Verständnis für seinen Sohn, der von vielen Anhängern vergöttert wird und trotzdem ein vernünftiger Kerl geblieben ist.

Mehr wissen über Elvis wollen diese jungen Herren, die ihre Motorräder vor der Friedberger Kaserne aufgebaut haben.

Donnerstag 6. November1958
Vater Vernon hilft zu Hause fleißig mit bei der Erledigung der Fanpost und schreibt selbst einen Brief an "Miss Christel" im Allgäu, der er leider einen Besuch bei Elvis absagen muss, da dieser im Manöver ist.
Freitag 14. November1958
Zum Wochenende schreibt der weiterhin von Heimweh gequälte Elvis an Frances Forbes in Memphis und viele Bekannte in Port Hood einen Brief und freut sich darin schon nach erst 6 Wochen in Deutschland auf die Zeit, wenn er wieder singen und Filme drehen kann. Er lässt auch schön Vaters Bruder, Onkel Vester Presley, grüßen. An diesem Tag hat auch Hotelbesitzer "Otto Schmidt" Geburtstag, dem Elvis durch seinen Vater sein derzeitiges esoterisches Lieblingsbuch "The Procession" von "Kahlil Gibran" überreichen lässt. Von Seite 67 zitiert Elvis vorn im Buch das Kapitel "Über die Religion", das er unterschreibt mit "Your friend".

Besitzer des Grunewald Hotels Otto Schmidt
Sonntag 16. November1958
Elvis schreibt an seinen Freund Alan Fortas, dass Margit sehr viel Ähnlichkeit mit Brigitte Bardot habe, er aber trotzdem unter großem Heimweh leide und es schon einem Wunder gleich käme, wenn er vor März 1960 entlassen würde. Elvis Grußformel zu der Zeit ist "Eri Viar Ditchi" womit er das italienische "Arrividerci" meint.
Samstag 27. November 1958
Elvis wird zum "Private First Class"(Gefreiten) befördert, sein monatlicher Sold erhöht sich auf 99,37 $. Am gleichen Tag besucht Elvis Elisabeths Familie, um mit ihnen das Erntedankfest zu feiern. Am 20. Dezember erklärt er den McCormicks, dass er in Bad Nauheim dringend eine Privatsekretärin und Dolmetscherin benötige, die sich für ihn durch die Berge von Fanpost kämpfen solle. Elisabeths Eltern sind einverstanden, dass ihre Tochter am 2. Januar umzieht.
Dienstag 30. November 1958
Die Bravo Nr. 48 von 1958 Elvis mit Pudel erscheint. Bravo für die Woche vom 30.11.1958 - 06.12.1958.
Elvis
hat einen neuen Liebling. Elvis neuer Liebling ist ein acht Wochen alter Pudel,
der auf den Namen "Cherry von der Mainkur" hört. Und den den
Elvis für 450 DM vor wenigen Tagen (30. Oktober 1958) in Hessen gekauft
hat, bevor er auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr zog. Dieser Liebling hat
den Vorzug, dass er sich in das Militärgelände mitziehen darf. Pudel haben es
gut.
Dezember 1958
Elvis lernt Roswitha Klaus kennen. Roswitha Klaus erzählt: Alles begann im Hotel Grunewald, dort hatte Elvis eine deutsche Sekretärin, die ich beim Schlittschuhlaufen kennenlernte, wir verstanden uns gut und sie schlug mir vor, nachdem sie erfuhr, dass ich ein großer Elvis-Fan war, sie ins Hotel Grunewald zu begleiten. Sie nahm mich mit in sein Zimmer Nr. 10. Plötzlich ging die Tür auf, er kam herein, schaute mir in die Augen, und ich schmolz dahin.

Samstag 20. Dezember 1958
Als Elvis am 20. Dezember aus Grafenwöhr zurückkommt, erhält er für gute Leistungen im Manöver drei Tage Sonderurlaub. Die Übungen in der Nähe der tschechischen Grenze haben bei Elvis einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen. Er wurde an Ort und Stelle mit dem Ost-West-Konflikt konfrontiert.
Sonntag 21. Dezember 1958
Elvis kauft in Frankfurt den BMW 507 zum Preis von 3750,- US-Dollar von dem deutschen Rennfahrer Hans Stuck. Uschi Siebert, Kuhlenkampff-Assistentin und frühere Miss Hessen, überreicht pressewirksam die Autoschlüssel. Ursprünglich hat Elvis einen Porsche "Spyder Typ 550 A" im Auge gehabt, wie ihn sein Filmidol "James Dean" gefahren hatte, doch der Juniorchef des Autohauses fährt einen Werks-Porsche, der unverkäuflich ist. So muss Elvis mit dem weißen BMW zufrieden sein. Auf der Rückfahrt will Vernon am Steuer einige Paparazzi abschütteln, wird abgelenkt und gerät dabei zwischen zwei sich schließende Bahnschranken. Da hier aber zwei Gleise überquert werden, hat Vernon genug Platz, den Wagen von den Schienen zu bekommen, sodass niemand verletzt wird.
Uschi
Siebert, die ehemalige Miss Hessen überreicht Elvis die Autoschlüssel,
Autohaus-Inhaber Gloeckle wollte nicht außen vor bleiben und überreichte die Schlüssel ein zweites Mal.


Mittwoch 24. Dezember 1958, Heiligabend
Elvis hilft mit beim Schmücken des Kompanie-Weihnachtsbaums und unterhält dabei seine Armeekameraden mit einer herzergreifenden Version von "Stille Nacht", natürlich auf Englisch "Silent Night".
Donnerstag 25. Dezember 1958, 1.Weihnachtsfeiertag
Von Vater Vernon erhält Elvis eine deutsche Gitarre Marke "Isana" geschenkt, edel mit schwarzem Klavierlack lackiert. Bas Instrument ist am 20.12. im "Musikhaus Hummel" in Frankfurt zum Preis von 225 DM gekauft worden. Elvis baut das Instrument später mit einem kleinen Tonabnehmer zu einer halbakustischen Gitarre um die er an einen "Dynacord" Verstärker anschließt.
Freitag 26. Dezember 1958, 2.Weihnachtsfeiertag
Hotelbesitzer "Otto Schmidt" trägt an einnahmen durch die Familie Presley für die 2. Monatshälfte Dezember 3241,30 DM ins Kassenbuch ein
Samstag 27. Dezember 1958
Erster von drei Besuchen bei "Holiday On Ice" in Frankfurt. Im Anschluss an diese Show stattete er den Eisläufern einen Besuch im Backstagebereich ab.
Am 10.März 1960 besuchte Elvis die Show im Ellis Auditorium / Memphis erneut, er verbrachte die meiste Zeit Backstage. Am 12/13. März 1958 waren die Eisläufer zu Gast auf Graceland
Im
Gegensatz zum Bill-Haley-Konzert ließ es die Zusammensetzung dieses Publikum
zu, dass Elvis die Show im Zuschauerraum verfolgte
Liz
Kaufmann, Pat Gregory, Elvis und Joan Hyldoft prosten dem Publikum mit heißen
Tee zu.
Red Wests breite Schultern waren eine gute Unterlage, um Autogramme zu schreiben.


Joan Hyldoft hatte es Elvis offensichtlich besonders angetan. Er durfte ihr sogar die Schuhe schnüren.


Dienstag 30. Dezember 1958
Ausgelassen und sehr entspannt im Salon des Hotels Grunewald, Jahreswechsel 58/59.


Elvis mit seinem Vater Vernon ebenfalls im Salon des Hotels Grunewald

Mittwoch 31. Dezember 1958, Silvester
Im amerikanischen Bundesstatt Tennessee ist Schnee äußerst selten. So ging für Elvis zum Jahreswechsel 1958 auf 1959 ein Kindheitstraum in Erfüllung, als sich die Wetterau als verschneite Märchenlandschaft zeigte. Die Teenager, die sich täglich vor dem Hotel Grunewald in der Terrassenstraße nahe dem Kurhaus versammelten, nahmen die Unannehmlichkeiten der winterlichen Temperaturen gerne in Kau£ Sie warteten auf ihr Idol, das an Silvester früher Dienstschluss hatte. Der Leibwächter Red West holte Elvis mit dem weißen BMW von der Friedberger Kaserne ab.
Silvester 1958, Elvis bei seiner ersten Schnellballschlacht mit Fans.
Endlich war es soweit. Elvis entstieg dem Auto und erkämpfte sich seinen Weg durch die staunenden und beglückten Teenies in die Hotelunterkunft. Großmutter Minnie Mae hatte mit einer heißen Erbsensuppe auf ihren Enkel gewartet, denn Elvis liebte dieses einfache Gericht, das ihm schon von Kindesbeinen bis in die Tage seiner Soldatenzeit eine bevorzugte Mahlzeit war. Dann verwandelte sich Elvis in einen Zivilisten. Er trug eine einfache Jeans unter einem dunklen Lumberjack. Elvis war in guter Wochenendstimmung. Er erschien, mischte sich unter die wartenden Teenager, winkte deren Autogrammwünsche lässig ab mit dem Hinweis, dass er auch davon Freizeit habe.
Hotel
Grunewald Terrassenstrasse 10. Hier entstanden die beiden oben abgebildeten
Bilder.
Roter Punkt, Bild mit dem Wasserhahn. Grüner Punkt Bild mit dem Regenrohr.
Weitere Bilder die Elvis vor dem Hotel Grunewald zeigen, findet Ihr
hier.
Elvis hatte anderes im Sinn. Er entschloss sich, einen Schneemann zu bauen. Die begeisterten Teenies stürzten sich in das Unternehmen. Von allen Seiten rollten sie umfangreiche Schneeballen in den Vorgarten des Hotels. So entstand in kurzer Zeit höchsten Einsatzes das Gebilde. Elvis selbst vollendete den wuchtigen Schneemann, indem er ihm eine seiner kleinen Zigarillos in den Mund steckte. Er war begeistert von diesem Kunstwerk aus Schnee und zeigte sich so leutselig, dass sich die Fans zu einer Schneeballschlacht gegen ihn formierten. Elvis parierte die Bälle, so gut er konnte, gab hier und da den Wurf zurück. Und einzelne Teenies, die das Glück hatten, einen der gefrorenen Bälle aufzufangen, trugen ihn, so schnell sie ihre Füße tragen konnten, nach Hause und betteten den Elvis-Schnee in die Kühlschränke, soweit sie schon vorhanden waren. Sie beteten, dass der so verwahrte Schnee nie schmelzen möge und träumten vom schönsten Silvesterabend ihrer Jugend.